Die Rudolfshütte (2.304 m) in den Hohen Tauern – die zweithöchste ständig besetzte ZAMG Klima- und Wetterstation in Österreich

 

Die „ZAMG Wetterstation“ Rudolfshütte ist im Alpinzentrum des Österreichischen Alpenvereins (OeAV), das im oberen Stubachtal an der Grenze zwischen der Glockner- und Granatspitzgruppe in den mittleren Hohen Tauern liegt, untergebracht. Sie befindet sich in den Räumen der „Hochgebirgs- und Nationalparkforschungsstelle Rudolfshütte“ der Universität Salzburg. Mit den zahlreichen Aktivitäten im Rahmen der Gletscher- und Hochgebirgsforschungen der Universität Salzburg ist die Rudolfshütte als kleines Höhenobservatorium zu verstehen.
Vor allem die relativ lange Messreihe der Massenbilanz des Stubacher Sonnblickkeeses seit 1964 (mit Extrapolationen seit 1959 bzw. 1946) wird in klimatologischer Hinsicht immer wertvoller.

Der Vorläufer der ZAMG Wetterstation „Rudolfshütte“

Die Geschichte der Station Rudolfshütte reicht in die Pionierzeit der Erforschung des Hochgebirgsklimas zurück, in eine Zeit, wo z.B. noch diskutiert wurde, ob der Niederschlag mit der Höhe ab- oder zunimmt. 10 Jahre nach dem Beginn der Beobachtungen am Rauriser Sonnblick wurde vom „Hydrographischen Zentralbüro im k.k. Ministerium in Wien“ 1896 bei der Rudolfshütte mit Temperatur- und Niederschlagsbeobachtungen für die Sommermonate begonnen. Die Hütte lag damals am Rand des (natürlichen) Weißsees in 2.242 m Seehöhe. Diese „Sommerstation“ lieferte von der Umgebung derart abweichende Niederschlagssummen, dass zunächst nur der halbierte Monatsniederschlag als „richtig“ angesehen und veröffentlicht wurde. Erst später erkannte man die Richtigkeit der Messwerte der bis 1905 bestehenden Station.

Die Klimastation Weißsee-Rudolfshütte

Die Außenanlagen der ZAMG Wetterstation Rudolfshütte gegen das Eiskögele im Nationalpark Hohe Tauern.

Aufgrund der Anregung und des Bemühens von Werner und Heinz Slupetzky im Jahr 1960 wurde im Stubachtal von der ZAMG (unter W. Friedrich) aufgrund klimatologischer Fragestellungen ein Profil von 5 Klimastationen von Uttendorf bis zum Weißsee errichtet. Bei der neuen Rudolfshütte – die alte Hütte versank 1953 im Stausee, die neue wurde an der jetzigen Stelle (47°08’ N  12°38’ E  2314 m) errichtet – ging die Station Weißsee- Rudolfshütte am 16.5.1961 in Betrieb. Diese Klimastation sollte auch den 1960 begonnenen Gletschermessungen dienen. Bis 1967 gelang es den Ganzjahresbetrieb aufrecht zu erhalten, später jedoch nur mehr vor allem in den glaziologisch wichtigen Sommermonaten. Neben dem üblichen Betrieb einer Klimastation wurden auch noch Sonnenscheindauer, Wind und Globalstrahlung registriert.

Die Klima- und Synopstation Rudolfshütte

Erwähnenswert ist, dass es trotz des technischen Ausbaues zu einer halbauto­matischen (TAWES) Station gelang, den durchgehenden Beobachterdienst aufrecht zu erhalten. Viele ehrenamtliche Freiwillige, zumeist Pensionisten, haben wertvolle Arbeit geleistet. Für viele der an der Station laufenden Beobachtungsprogramme ist ein Beobachter unverzichtbar. – Damit zusammenhängend ist auch das Bemühen, eine klassische Wetterstation als Lehrstation zu verwenden, um den Besuchern und Bergsteigern, die im Alpinzentrum ausgebildet werden, das Alpinwettergeschehen anschaulich zu zeigen; die ausgedruckten Stundenwerte sind für den Laien zu wenig anschaulich.

Mit den Funktionen der Station als Lawinen-, Hydrographie- und Hochwassermeldestation (Hochwasserwarnsystem HYDRIS) erfährt sie eine gerätemäßige und finanzielle (z.B. durch Beobachtergebühren) Förderung neben der Universität Salzburg durch den Hydrographischen Dienst Salzburg und den Lawinenwarndienst des Amtes der Salzburger Landesregierung; z.B. hat der Lawinenwarndienst beim automatischen Ultraschallpegel die Kosten und den Betrieb übernommen, die Daten stehen einem breiten Nutzerkreis zur Verfügung.

In den Räumen der Wetterstation Rudolfshütte (Wetterbeobachter Matthias Soriat, 84 Jahre und 16 Jahre Beobachter)

Mit der Erweiterung der neuen Rudolfshütte zum Alpinzentrum des OeAV bot sich eine Neuorganisation der Wetterbeobachtungen an. Heinz Slupetzky sah es nach den bisherigen Problemen nur als sinnvoll an, wenn eine ständig besetzte Station errichtet wird. Seinen Vorschlag, eine neue Klima- und Synopstation zu errichten, nahm Hon. Prof. Dr. W. Mahringer, damals Leiter der ZAMG Wetterdienstelle Salzburg, auf. Zwischen dem Alpenverein, der Universität und der ZAMG wurden 1979 entsprechende Vereinbarungen getroffen und die Station eingerichtet. Am 4. Juni 1980 wurde der Klimadienst, am 16. Juni 1980 der Synopbetrieb aufgenommen.

Die glaziologischen Langzeitprogramme

Die Wetter- und Klimabeobachtungen leisten einen wertvollen Beitrag zum wissenschaftlichen Hauptschwerpunkt an der Forschungsstation, die Gletscherforschung.

Mit Längenmessungen im Rahmen des OeAV – Gletschermessprogrammes wurde schon im Jahr 1960 begonnen, durch die Massenbilanzmessungen am Stubacher Sonnblickkees ab 1964 erfolgte eine Erweiterung und Schwerpunktssetzung der Gletscherforschungen. Massenbilanzreihen sind im Vergleich zu mehrhundertjährigen meteorologischen Reihen noch relativ kurz, maximal höchstens gut 50 Jahre lang; ihre Fortsetzung ist im Hinblick auf die Klimaerwärmung besonders bedeutungsvoll. Die Massenbilanzmessungen wurden seinerzeit über die Hydrologischen Programme (IHD und IHP), ab 1981 über den Hydrographischen Dienst Salzburg gefördert.

Die Wetterstation Rudolfshütte mit dem Stubacher Sonnblickkees, an dem seit 1964 Massenbilanz-messungen durchgeführt werden. Links die Granatspitze, rechts der Stubacher Sonnblick

Zu den glaziologischen Untersuchungen zählen auch Projekte wie Bewegungs- und Eisdickenmessungen, die Herstellung von Gletscherkarten, Gletscherseenvermessungen usw., zumeist in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. Seit 1963 wird auch ein Netz von sechs Totalisatoren betrieben.

Verschiedene Projekte haben bzw. hatten gewissen Pioniercharakter. Dazu zählt z.B. die Herstellung von großmaßstäbigen Karten im Maßstab 1:5000 der Gletscher in der Umgebung der Rudolfshütte im Jahr 1990. Seit 1985 wird nach Schneefällen die Höhenlage der Neuschneegrenze dokumentiert; erst kürzlich erfolgte eine digitale Aufarbeitung und erste Auswertung der Daten. 2002/03 wurde das schneefreie Gelände und die spätwinterliche Schneedecke im Umkreis des Schneepegels der Station Rudolfshütte mit Laserscanner (mit der Fa. GEOID, Salzburg) vermessen, um die Repräsentativität der Schneehöhenmessung an diesem einen Punkt zu untersuchen. Die Auswertung von 125 dokumentierten Lawinenabgängen im Tourengebiet im oberen Stubachtal aus rund 50 Jahren – nach Aufzeichnungen von R. Winter im Rahmen der Ortsstelle Enzingerboden des Österreichischen Bergrettungsdienstes und eigenen Beobachtungen – in einem „Touren-Lawinen-Kataster“ ist eine weitere Besonderheit. Im Vergleich zu anderen Massenbilanzmessreihen wird im Einzugsgebiet des ÖBB Speichers Weißsee, in dem das Stubacher Sonnblickkees liegt, die hydrologische Bilanz bestmöglich bestimmt. Daraus lässt sich der „wahre“ Gebietsniederschlag im Vergleich zu den – im Hochgebirge bekanntlich schwierigen – Niederschlagsmessungen genauer als bisher bestimmen. Das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) führte 1999 eine Vermessung der Gletscher im Umkreis der Rudolfshütte mit Laserscanner durch, wobei eine neu konstruierte Laserscanner – Kamera verwendet wurde; der Flug diente als Test für eine Marsmission.

Ausblick für die Station Rudolfshütte

Der Betrieb eines (kleinen) Observatoriums mit der Wetter- und Forschungsstation bringt immer wieder Schwierigkeiten mit sich. Ein Problem ist die Sicherstellung der ganzjährigen Besetzung der Station, wobei auch das Gegensteuern gegen den Trend der Umstellung auf vollautomatische Stationen viel Überzeugungsarbeit bedeutet; die Kostenfrage ist hier ein ernstes, aber zu leicht als Begründung herangezogenes Argument. Die Frage der Fortsetzung der Gletscher- und Hochgebirgsforschungen bzw. die Sicherstellung des Langzeitmonitorings ist aufgrund der Budgetkürzungen und Änderungen der Forschungsbedingungen an den Universitäten ernstlich in Frage gestellt. Ein Problem der nahen Zukunft ist auch die Finanzierung der Aufarbeitung und digitalen Dokumentation jahrzehntelanger Datenreihen und umfangreicher Materialien, die angesichts der Klima- und Umweltveränderungen einen großen Wert darstellen.

Heinz Slupetzky, Nationalpark- und Hochgebirgsforschungsstelle Rudolfshütte der Universität Salzburg | Alle Fotos: Heinz Slupetzky