Fernerkundung & Photogrammetrie

Die geodätische Auswertung von photographischen Aufnahmen, Photogrammetrie genannt, ermöglicht seit Ende des 19. Jahrhunderts eine relativ genaue und kostengünstige Erfassung größerer Gebirgsbereiche. Die Photogrammetrie wurde im Jahre 1889 von Sebastian Finsterwalder bei der Herstellung der bekannten Karte des Vernagtferners (Ötztaler Alpen), Tirol) im Maßstab 1:10000 eingesetzt. Diese Pionierarbeit war der Ausgangspunkt einer raschen Weiterentwicklung der Auswertemethoden und der dazu notwendigen Geräte. Die terrestrische Photogrammetrie wurde ab etwa 1930 weitgehend durch die Luftbildphotogrammetrie für topographische Aufnahmen abgelöst, wird aber bis heute für die Erfassung von Gletschern angewandt.

Bei den verwendeten Auswertegeräten vollzog sich wie bei den klassischen terrestrischen Vermessungsgeräten ein Wandel von optisch-mechanischen Konstruktionen zu digital-computergestützten Methoden. Digitale Bilder können heute mit entsprechender Software auf Desktop-PCs bearbeitet werden, wobei die Bilder auf klassischen Filmen mittels hochwertiger Scanner digitalisiert werden müssen. Durch die Entwicklung digitale Messkameras wird dieser Schritt in Hinkunft ebenfalls überflüssig werden.

Im Laufe der Jahre wurden von den Gletschern des Stubachtales mehrfach Luftbilder aufgenommen und daraus Orthofotos hergestellt. Während für die Bild-Strichkarten von 1992 die Orthofotos noch mit analogen Verfahren hergestellt wurden (J. Aschenbrenner, 1992) können sie nunmehr mittels geeigneter Software direkt auf den gescannten Luftbildern berechnet werden.

 

Orthofoto des Stubacher Sonnblickkees vom 13.08.2003

Satellitenbasierte multispektrale Sensoren haben sich seit dem Start des ersten Landsat-Satelliten als wichtige Datenquelle für kartographische Anwendungen etabliert. Entsprechend der Auflösung von 30 Metern wurden Landsat-Aufnahmen bislang hauptsächlich für kleinmaßstäbige Kartendarstellungen genutzt, aber durch die verbesserte geometrische und spektrale Auflösung der aktuellen Sensorplattformen ist heute auch ein Einsatz im kleinmaßstäbigen Bereich, das ist kleiner als etwa 1:200.000, möglich. Vor allem bei der Erforschung der polaren Regionen haben sich satellitenbasierte Sensoren bestens bewährt. Wegen der Möglichkeit, Gebiete in kurzen Zeitabständen kostengünstig zu erfassen, eignet sich die Fernerkundung mittels Satelliten besonders für die Erforschung und das Monitoring größerer Regionen.

 

GRUBER, W., & SLUPETZKY, H.: Gletscher-Monitoring. Von terrestrischer Vermessung zu modernen Methoden der Fernerkundung anhand von Beispielen aus den Hohen Tauern und der Coast Range (B.C., Canada). Salzburger Geographische Arbeiten, Bd. 38, S. 37 – 52. Salzburg 2005