Das Stubachtal

Das Stubachtal, welches als eines der landschaftlich schönsten Tauerntäler beschrieben wird, liegt südlich der Gemeinde Uttendorf in den Hohen Tauern. Der Name Stubach bedeutet „sträubende Wässer“. Das Tal umfasst zahlreiche Seen, Almen und Gletscher. Das Tal wird von etlichen Gipfeln, darunter einige 3.000er eingerahmt:

  • Stubacher Sonnblick (3.088 m)
  • Granatspitze (3.086 m)
  • Medelzkopf (2.761 m)
  • Johannisberg (3.453 m)
  • Hohe Riffl (3.338 m)
  • Hocheiser (3.206 m)

Das Stubachtal weist einen Stufenbau auf und mündet gleichsohlig in das Salzachtal ein. Es liegt an der Grenze zwischen der Glocknergruppe im Osten und der Granatspitzgruppe im Westen. Das Tal gabelt sich im Oberlauf in zwei Quelläste, in das Tauern­moostal und das Weißbachtal. Einerseits sind der Stufenbau und die Abfolge von Becken und Schwellen bzw. Weitungen und Engstellen für das Tal charakteristisch, andererseits bestimmen die Gegensätze der begrenzenden Seitenkämme das morphologische Landschaftsbild. Die morphologisch-topographischen und die hydrologischen Bedingun­gen im Stubachtal waren die Voraussetzung für eine kraftwerkstech­nische Erschließung des Tales. Bereits 1913 gab es erste Pläne zur Errichtung mehrerer Kraftwerke im Stubachtal. Nach dem Zerfall der Monarchie wurde Wasserkraft als Energielieferant umso wichtiger. Schon 1914 erwarben die K.U.K. Staatsbahnen die Wasserrechte. 1919 wurde mit dem Bau der ersten Etappe, dem Kraftwerk Enzingerboden, begonnen, mit dem dazugehöri­gen Speicher Tauernmoos, dessen Sperre zwischen 1926 und 1929 hochgezogen wurde. 1937 wurde mit dem Baubeginn des Kraftwerks Schneiderau und 1941 mit Uttendorf die Kraftwerkskette der öster­reichischen Bundesbahnen vorerst geschlossen. Mit der Errichtung des Speichers Weißsee, die im Jahr 1953 beendet wurde, war die erste Bauphase zu Ende. Die alte Tauernmoossperre wurde in einer zweiten Bauphase durch einen Neubau, der 1975 fertig war, ersetzt.

Gegenwärtig ist ein weiterer Ausbau mit dem Kraftwerk Uttendorf II im Gang. Im Zuge des Kraftwerksausbaues zur Hydroelektrizitätsgewinnung wurde der bis dahin bestehende Fahrweg von Uttendorf zum Enzinger­boden durch eine Straße erweitert. Auch Seilbahnanlagen wurden er­ richtet. Seit den 40er-Jahren bis Anfang der 80er-Jahre war die Stubach-Weißsee Seilbahn vom Enzingerboden in das Weißseegebiet in Betrieb; der Personenverkehr war 1951 aufgenommen worden. Im Dezember 1982 wurde eine neue Bahn, eine Einseilumlaufbahn, vom Enzingerboden (1.480 m) über den Grünsee zum Weißseee (2.310 m) eröffnet. Die alte Bahn wurde stillgelegt. Unweit der Bergstation der neuen Bahn liegt das Alpinzentrum Rudolfshütte. Ursprünglich lag die alte Rudolfshütte nahe dem früher bestehenden natürlichen Weißsee. Diese war 1874 von der Sektion Austria des österreichischen Alpenvereins errichtet worden und bestand, nach mehreren Um- und Erweiterungsbauten, bis 1953. Dem ersten Vollstau des Speichers Weißsee in diesem Jahr musste die alte Rudolfshütte weichen. Kurzzeitig bestand eine Übergangslösung von drei Baracken, dem „Austriadörfl“. Zwischen 1955 und 1958 wurde an der heutigen Stelle die neue Rudolfshütte (Berghotel) gebaut. Dieses Gebäude wurde 1978/79 erweitert und moder­nisiert und bildet heute als Alpinzentrum Rudolfshütte eine alpine Ausbildungsstätte des österreichischen Alpenvereins und ist ein Ausgangspunkt für Touren und Übergänge in den mittleren Hohen Tauern.

Im Alpinzentrum ist auch die Hochgebirgsforschungsstelle der Uni­versität Salzburg untergebracht. Sie hat die Funktion, Stützpunkt für die Forschungs- und Lehrtätigkeiten von Fachrichtungen, die sich im weitesten Sinn mit der Erforschung des Hochgebirges befas­sen, zu sein. Ein Anlass für die Errichtung dieser Station waren die langjährigen Gletschermessungen im obersten Stubachtal. Auch heute bilden die glaziologischen Forschungen einen Hauptschwer­punkt an der Forschungsstation.

Quellen: persönliche Mitteilungen durch H. Slupetzky und Publikationen