Zwangsarbeit in 2.300 m Seehöhe – Das Außenlager des

KZ Dachau

Während des Nationalsozialismus wurden in den Hohen Tauern die zwei Wasserkraftwerksprojekte Kaprun und Weißsee massiv vorangetrieben. Die Baustellen im Stubachtal unterstanden der Deutschen Reichsbahn. 1939 wurde das erste Arbeitslager mit einer Wohnbaracke, wo die ersten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen untergebracht wurden, beim Weißsee errichtet. Im Herbst 1942 wurde das Lager ausgebaut und schuf ab dem Frühjahr 1943 in drei Wohnbaracken Platz für rund 400 Arbeiter. Bis 1943 arbeiteten im Stollenbau im Stubachtal und am Weißsee hauptsächlich zivile Ausländer, vor allem Ukrainer und Polen, aber auch russische Kriegsgefangene.

Ab 1943 wurde das Lager ein selbstständiges Nebenlager vom KZ Dachau, von wo nun immer wieder Arbeitskräfte zum Weißsee gebracht wurden. Es waren viele Nationalitäten vertreten, Ukrainer, Polen, Russen, Franzosen, Griechen, Tschechen, Jugoslawen und Belgier, aber auch Deutsche und Österreicher waren hier gefangen. Die Menschen hatten alle eines gemeinsam: Sie mussten auf einer Kraftwerksbaustelle in 2300 m Seehöhe Schwerstarbeit leisten und erlitten oftmals Höllenqualen. Kaum einer hatte Erfahrung im Stollen- oder Kraftwerksbau und war schon gar nicht an schwere körperliche Arbeit gewöhnt. Hinzu kam die Höhe, das extrem raue Wetter und die massiv schlechte Behandlung. Der Großteil der Häftlinge wurde nach 1943 in einem Steinbruch eingesetzt. Erst nach dem Einmarsch der Amerikaner im Mai 1945 endete für alle Zwangsarbeiter die „Hölle Weißsee“. Es gab viele Todesopfer, niemand weiß, wie viele es gewesen sind.

Erst Mitte der 60er Jahre wurden Vorermittlungen begonnen, ob es Tötungsdelikte oder andere Verbrechen gegeben hat. Nur acht (!) Zeugen wurden daraufhin befragt. Keiner hatte Tötungsdelikte persönlich gesehen oder konnte sich daran erinnern. Daraufhin wurden die Erhebungen, da die meisten bekannten Delikte zudem bereits verjährt waren, eingestellt, noch ehe sie richtig begonnen hatten.

2005, 60 Jahre später, wurde auf  Privatinitiative mit der Enthüllung einer Gedenktafel – von den ÖBB finanziert – der Opfer gedacht. Dieser Teil der Geschichte in der Gemeinde Uttendorf und besonders im Gebiet des Stausees Weißsees wurde lange verdrängt – und wird es zum Teil immer noch.

Nicole Slupetzky

Slupetzky, N.: Das Nebenlager Weißsee. Zwangsarbeit in 2.300 m Höhe. In. Veröff. D. Verbandes Österr. Historiker und Geschichtsvereine. Bericht über den 23. Österr. Historikertag. Salzburger Landesarchiv. Salzburg, 2003.  S.196 – 221
Slupetzky,H.: Gletscher und ihre Spuren. Hohe Tauern. Naturkundliche Exkursionen. In: Natur- und Kulturerlebnisführer der  Universität Salzburg Bd. 2. Verlag Dr. F. Pfeil, München, 2011.  S. 87-103

Arbeitslager Weissee