Heinz Slupetzky – Ein Leben lang Gletscherforscher

Man wird von jüngeren Forschern und Forscherinnen ‚beneidet‘, dass wir einen Gletschervorstoß erlebt haben“ (H. Slupetzky)

17.1.1940 geboren in Wien
1958 Matura in Wien
ab 1959 Doktoratsstudium Geographie (bei Univ. Prof. Dr. Hans Spreitzer) sowie Meteorologie und Geologie als Nebenfächer an der Universität Wien
ab 1965 Studienassistent am neu errichteten Institut für Geographie an der Universität Salzburg (bei Univ. Prof. Dr. E. Lendl)
1969 Promotion
1980 Habilitation, a .o. Univ. Prof.
2002 – 2010 Erster Vorsitzender des Alpenverein Salzburg
seit 2004 Univ. Prof. i.R. | Senior Advisor der LTER Master Site Oberes Stubachtal

 


 

Entwicklung des Forschungsstandortes Oberes Stubachtal | Rudolfshütte

1958-1965 Lange Aufenthalte vor allem im Sommer auf der neu gebauten Rudolfshütte, die seine Eltern gepachtet hatten
ab 1960 Beginn der Gletschermessungen im Gebiet um die Rudolfshütte. Dabei in den Anfangsjahren gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Dr. Werner Slupetzky, dann immer wieder unterstützt von freiwilligen Helfern und Studierenden
1961 Gründung der Wetterstation Weißsee (2.304 m) bei der Rudolfshütte durch Werner und Heinz Slupetzky
1963-1967 Erfassung der Wetter- und Klimadaten im Zusammenhang mit den Massenbilanzmessungen
1963-1966 3 Jahre Massenbilanzbestimmung am SSK im Rahmen seiner Dissertation an der Geographie der Universität in Wien
ab 1965 Aufnahme des Massenbilanz-Messprogrammes als eines der zwei glaziologischen Standorte in das österreichische Nationalprogramm der Internationalen hydrologischen Dekade IHD 1965 -1974. Fortsetzung im Internationalen Hydrologischen Programm IHP 1975 – 1981. Organisiert vom Hydrographischen Zentralbüro (HZB) beim BMLFUW in Wien
1980 Erweiterung und Ausbau der Wetterstation zu einer ganzjährig besetzten Synop-Station durch die Wetterdienststelle Salzburg und OÖ der ZAMG und des Hydrographischen Dienstes Salzburg. Die Station Rudolfshütte ist nach dem Rauriser (Hohen) Sonnblick die zweithöchste, ständig besetzte Station in Österreich
Die im TAWES Messsnetz der ZAMG wichtige Station (in den von der Universität Salzburg bis 2004 gemieteten Räumlichkeiten) wurde später zur Bergstation der Gletscherbahn Weißsee verlegt, die vom Berghotel Rudolfshütte dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt wird
ab 1981 Fortsetzung im Rahmen eines Auftrages des Hydrographischen Dienstes, Land Salzburg zur Erfassung der Veränderungen von Schnee und Eis
1982 Errichtung der Hochgebirgs- und Nationalparkforschungsstelle Rudolfshütte der Universität Salzburg im Alpinzentrum Rudolfshütte des ÖAV bis 2004
ab 1984 Ausbau zu einem glaziologischen Forschungsschwerpunkt im Rahmen der Abteilung für Gletscher- und vergleichende Hochgebirgsforschung am Institut für Geographie
ab 2015 Fortsetzung des Gletscher- und Hochgebirgsforschungsschwerpunktes am Interfakultären Fachbereich Geoinformatik – Z_GIS unter der Leitung von Dr. Bernhard Zagel im Auftrag des Hydrographischen Dienstes Salzburg (DI Hans Wiesenegger)
ab 2017 Durchführung direkter Massenbilanzbestimmungen am Stubacher Sonnblickkees durch das Institut für Gebirgsforschung (IGF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Innsbruck, im Auftrag des Hydrographischen Dienstes Salzburg in den Jahren 2017 und 2018

 


 

Wissenschaftliche Interessen und Leistungen

Heinz Slupetzky interessiert sich vor allem für die Gletscher der Alpen und deren Veränderungen. Darüber hinaus lernte er durch Reisen die Gletscher z. B. in Island, Alaska, Franz Joseph Land (als erster Österreicher seit der Entdeckung 1883) und im Himalaya kennen. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt waren Massenbilanzen an einem Gletscher (Cathedral Massif Glacier) an der Kanadischen Ostseite des Küstengebirge Alaskas in den Jahren 1977 und 1978 während einer Gastprofessur und eines Forschungsaufenthaltes 1976/77 an der University of Moscow, Idaho, USA.

Slupetzky‘s Massenbilanz-Messreihe ist einer der weltweit längsten Messreihen und insofern einzigartig, da sie über 50 Jahre durchgehend von ein und derselben Person betreut wurde. Forschungen, die vorrangig lange Zeitperioden zum Ziel haben, sind a priori nicht unbedingt „spektakulär“ und damit öffentlich wirksam sein. Nur einzelne Extreme, wie das extrem positive Jahr 1965 (der höchste jährliche Massengewinn aller ab 1946 bekannten Massenbilanzen)  oder das sehr negative Jahr 2003, finden (medial) mehr Aufmerksamkeit; die jährlichen „Routinemessungen“ gehen im „Stillen“ vor sich. Um diese „Lücke“ zu schließen gibt es seit 2003 das ‚Gletschertagebuch‘ auf science.orf.at, 2017 erschien der 50. Eintrag:

Gletschertagebuch Heinz Slupetzky | Öffentlichkeitsarbeit

Literatur zum Lebenslauf und Werdegang:
J. Aschenbrenner und H. Suida, (Hrsg.): 1960-2000. 40 Jahre Glaziologische Forschungen. Festschrift für Heinz Slupetzky zum 60. Geburtstag. Salzburger Geographische Materialien, Bd. 36, Salzburg 2000, 215 S.